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Rede von Bundespräsident Johannes Rau bei der Festveranstaltung zum vierzigjährigen Bestehen des Kuratoriums Deutsche Altershilfe

Herr Dr. Dietrich hat begonnen mit einigen Sätzen über die Bedeutung von Jubiläen. Ich will darum noch etwas über die Bedeutung von vierzigjährigen Jubiläen anfügen. Es ist merkwürdig: In vielen Kulturen ist die Vierzig wichtiger als die Fünfzig. Vierzigjährige Jubiläen haben insoweit sogar eine größere Ausstrahlung und Bedeutung. Sie können in den Hinduismus blicken, zu den Buddhisten, Sie können jüdische Traditionen, die christliche Tradition nehmen: Die Vierzig hat große Strahlkraft. Vierzig Jahre war das Volk Israel in der Wüste und kriegte jeden Tag Manna, bis es das leid war. Vierzig Wochen trägt eine Frau ihr Kind. Mit Vierzig werden die Schwaben gescheit.

Die Vierzig hat große Bedeutung, und darum bin ich sehr gern hierher gekommen. Ich gestehe: Ich war vierzig Jahre im Landtag in diesem Land. Angefangen hab ich dort mit einer Rede auf den Landesjugendring, jetzt bin ich beim Kuratorium Deutsche Alters­hilfe, das ist doch ein Bogen!

Wir kennen - wiederum aus vielen Kulturen und schon von unseren germanischen Vorfahren - die Frage: "Was will ein jeder werden und doch keiner sein?" Alt! Alt will jeder werden, alt will keiner sein. In der Unterscheidung zwischen Altwerden und Altsein schwingt etwas mit von der Doppelwertigkeit, die das Alter für die meisten Menschen hat.

Lange leben: Erfahrungen sammeln, viele Jahre tätig sein, die Anerkennung der Mitmenschen erreichen, Kinder und Enkel aufwachsen sehen, ihnen helfen, sich in der Welt zurecht­zufinden, kurz: im Alter erfüllt und zufrieden auf das Erreichte blicken - wer wünschte sich das nicht?

Aber es gibt auch einen anderen Weg ins Alter, und an seinem Ende heißt es: vom Leben gebeugt sein, Not und Krankheit leiden, allein sein, in dem Gefühl leben müssen, dass man nicht mehr gebraucht wird, dass man anderen zur Last fällt, dass man sich selber fremd wird und die Welt nicht mehr versteht - wer fürchtete das nicht?

Früher war hohes Alter die Ausnahme, heute ist es die Regel. Früher fehlten auch in Deutschland das medizinische Wissen und der Wohlstand, um alten Menschen hohe Lebensqualität und möglichst viel Selbstbestimmung zu sichern. Heute haben wir das Wissen und wir haben den Wohlstand dafür. Wir sind verpflichtet, beides nach Kräften einzusetzen, damit Menschen auch im Alter in Würde leben können.

Diesem Ziel widmet sich seit nun schon vierzig Jahren das Kuratorium Deutsche Alters­hilfe mit großem Erfolg. Darum bin ich heute gern gekommen, um Ihnen im Namen aller Menschen in unserem Land zu danken. Ich wünsche dem Kuratorium und allen, die da haupt- und ehrenamtlich tätig sind, für die Arbeit, die vor ihnen liegt, viel Erfolg.

II.

Michel de Montaigne hat Ende des sechzehnten Jahrhunderts geschrieben: An Alters­schwäche zu sterben, das sei "die seltenste und ungewöhnlichste aller Todesarten". Noch um 1865 lag in Deutschland die Lebenserwartung bei nicht mehr als vierzig Jahren. Noch heute liegt sie auf manchen Kontinenten bei dreißig! Hierzulande liegt sie bei Frauen bei fast einundachtzig und für uns Männer immerhin bei mehr als vierundsiebzig Jahren.

Das birgt vor allem viele Chancen:

  • Viel mehr Menschen als je zuvor können darauf hoffen, lange gesund und aktiv zu sein.

  • Es ist längst selbstverständlich, dass Kinder gemeinsame Jahre mit ihren Großeltern und nicht selten sogar mit ihren Urgroßeltern erleben, auch wenn es die Großfamilie und das gemeinsame Leben und Wohnen so nicht mehr gibt, wie das in früheren Generationen überkommen war. Das ist auch eine einzigartige Gelegenheit zu lernen - für beide Seiten.

  • Auch außerhalb des Berufs leisten ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger viel für das Gemeinwohl: Fast jeder Dritte zwischen sechzig und siebzig ist ehrenamtlich tätig, und selbst jenseits der siebzig - also in meiner Altersgruppe - ist es noch jeder Fünfte. Ich meine, diese positiven Kräfte könnten noch besser genutzt werden als bisher.

  • Das gilt zuerst bei der eigenen Lebensführung: Wer rastet, der rostet - das gilt auch für ältere Menschen! Von den Hobbys über die Reiseziele, die Sportvereine und die Angebote zu Begegnungen mit anderen - es gibt viel! Die Frage ist, ob wir es ergreifen. Wie organisieren wir da das Miteinander der Generationen, wo es innerhalb der Familie nicht mehr möglich ist, unter anderem auch wegen der Art des Wohnungsbaues in der Nach­kriegszeit? Wie sieht das aus in Wohngemeinschaften, in Nachbarschaftshilfe, wie sieht das aus mit ehrenamtlichem Engagement beim Miteinander der Generationen, damit der Schwung der Jungen und die Erfahrung der Alten zueinander finden und der Gesellschaft neue Triebkräfte geben?

  • Ich glaube, auch in den Betrieben muss schneller umgedacht werden, was die Beschäftigung älterer Mitarbeiter angeht. Noch immer beschäftigen zu viele Unternehmen nur jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und glauben, das sei modern. Dabei wollen die meisten Menschen durchaus auch jenseits der fünfzig etwas leisten und die allermeisten können das auch. Allerdings - und diese Forderung will ich auch nennen, damit wir uns eines besseren besinnen - wünschen sich die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch, dass der Übergang aus der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand flexibler wird, als er jetzt ist und als wir das bisher gewohnt sind. Auch da muss nachge­bessert werden, damit wir von der Kraft der Älteren nützlichen Gebrauch machen.

Immerhin denken, nach meinem Eindruck, immer mehr Unternehmen um, schon weil die demographische Entwicklung sie dazu zwingt, denn Berufstätige unter vierzig werden in den kommenden Jahren bekanntlich knapper werden, als sie es bisher waren.

In unserer Gesellschaft leben nämlich nicht nur immer mehr alte Menschen, sie wird auch im Durchschnitt immer älter, die Jungen werden weniger. Schon heute ist jeder Vierte sechzig Jahre alt und älter, in fünfzig Jahren wird es nach Schätzung des Statistischen Bundesamtes mindestens jeder Dritte sein - jeder Dritte über sechzig! Dann wird jeder Neunte achtzig Jahre oder mehr zählen, und auf einen jungen Menschen bis neunzehn werden zwei Ältere ab sechzig kommen. Das war vor fünfzig Jahren noch umgekehrt. Und da ich gerade die Bürgermeisterin Renate Canisius sehe, könnte ich aus gemeinsamer Erfahrung erzählen, wie sich das in den Haushalten der Kommunen auswirkt. Wir haben einmal überlegt, ob wir den Hundertjährigen noch gratulieren können, denn früher waren das zwei in Wuppertal im Jahr, und plötzlich waren es vierzig! Dann war die Frage, ob das mit dem Geschenkkorb noch ging?

III.

All das, nicht nur das Aperçu, stellt unser Land vor immense Herausforderungen. Manche davon sind schon öffentlich bewusst. Die Stichworte kennen wir: Rentenreform, Pflege­versicherung, Strukturreformen im Gesundheitswesen. Aber viele dieser Veränderungen sind längst nicht genug bekannt und sind vor allem in ihren Konsequenzen noch nicht erkannt. Ich will einige davon hier nennen:

  • Fünfundneunzig Prozent der über Fünfundsechzigjährigen leben in Privatwohnungen. Das muss man sich bewusst machen! Beim Stichwort Alter denken viele sofort ans Altenheim und nicht daran, dass fünfundneunzig Prozent in privaten Wohnungen leben. Viele dieser Wohnungen aber sind nicht altengerecht gestaltet und ausgestattet. Da gibt es Treppen, Schwellen und Barrieren, von der Kohleheizung ganz zu schweigen! Das macht den Bewohnern das Leben schwer.

Ich bin froh darüber, dass das Kuratorium Deutsche Altershilfe sich auf diesem Gebiet schon lange mit Rat und Tat für Verbesserungen einsetzt und gerade beim Stichwort "Wohnen im Alter" Pionierarbeit leistet. Sie wissen, wie viel allein in diesem Bereich dennoch bis heute im Argen liegt. Wir brauchen mehr Wohnberatung, mehr altengerechte Wohnungen und mehr ambulante Hilfen für einen Lebensabend im eigenen Zuhause. Das ist ein wichtiger Baustein für ein selbstbestimmtes Alter.

  • Alte Menschen nehmen durchschnittlich weniger häufig Sozialhilfe in Anspruch als der Rest der Bevölkerung. Offenbar schämen sich viele alte Menschen ihrer Armut und verzichten darum auf Hilfe.

Ich finde es gut, dass der Gesetzgeber nun eine Grundsicherung für bedürftige Ältere beschlossen hat. In einem so reichen Land wie dem unseren darf Alter kein Armutsrisiko sein!

  • Wir müssen altersbedingte Krankheiten besser erforschen und mehr gegen sie tun. Ich finde, dass im Medizinstudium Alterserkrankungen wie die Osteoporose und ihre Behandlung stärker auf den Lehrplan gehören als bisher. Darum brauchen wir mehr Lehr­stühle für Gerontologie. Den ersten dieser Lehrstühle hat übrigens, wenn ich das richtig weiß, Herr Dr. Dietrich, das Kuratorium Deutsche Altershilfe mitfinanziert.

Auch in der ärztlichen Fortbildung sind die Fragen der Altersmedizin noch zu wenig berücksichtigt, sie brauchen einen höheren Stellenwert. Da haben die Hausärzte eine besondere Schlüsselposition für die geriatrische Versorgung. Dabei sollte in der Praxis - überall wie sonst im Leben - der Grundsatz gelten: Rehabilitation hat Vorrang vor Pflege. Wir wissen doch längst, dass Rehabilitation auch bei Senioren erfolgreich ist und dass sie vielen sogar die Pflegebedürftigkeit ersparen kann. Da sollten die Krankenversicherungen und die Pflegeversicherungen eng zusammenarbeiten, enger, als sie das bisher tun. Das ist wichtig für die Lebensqualität der betroffenen Menschen und es ist angesichts der wachsenden Zahl von Pflegefällen auch ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft.

  • Ende 1999 waren in Deutschland im Sinne des Pflegegesetzes über zwei Millionen Menschen pflegebedürftig. Rund drei Viertel von ihnen werden zu Hause gepflegt, fast immer von Familienangehörigen, und meistens sind es Frauen: Ehefrauen, Töchter, Verwandte.

Machen wir uns eigentlich klar, wie viel Liebe und wie viel Aufopferung hinter diesen Zahlen steht? Ich finde, auch in der trockenen Statistik kann man entdecken, dass es Liebe und Aufopferung gibt. In der Sprache des Berichtswesens heißt das: "Durchschnittlich stehen achtzig Prozent der Hauptpflegepersonen rund um die Uhr zur Verfügung". Den Satz muss man eigentlich zweimal hören und den muss man erlebt haben: "Durchschnittlich stehen achtzig Prozent der Hauptpflegepersonen rund um die Uhr zur Verfügung". Dann geht es weiter: "Etwa die Hälfte der Pflegenden muss den Nachtschlaf wegen Hilfs- und Pflege­tätigkeiten unterbrechen, davon sechsundsiebzig Prozent mehr als einmal pro Nacht."

Das geht - das ist jedem von uns bewusst - das geht weit hinaus über das Zumutbare, weit hinaus über die Kraft der pflegenden Angehörigen. Sie sind erschöpft und werden häufiger krank - bis hin zur schweren Depression. Das kann schlimme Konflikte in der Familie und mit den Pflegebedürftigen bringen.

Nun wird die häusliche die Pflege im Familienkreis schon heute vielfältig gefördert und unterstützt. Aber manches ist da viel zu bürokratisch geregelt. Immer noch kennen viele Pflegebedürftige und Pflegende die Hilfsangebote nicht genug. Die Information, die Beratung darüber muss noch besser - noch offensiver, noch direkter, noch individueller - werden, und dazu müssen viele beitragen: die Pflegekassen und die Krankenkassen, die Ärzte, die Kirchen und die Gewerkschaften und natürlich auch die zuständigen Behörden von Bund, Ländern und Gemeinden.

  • Schon heute sind, wie gesagt, über zwei Millionen Menschen pflegebedürftig. Gewiss kann man die Zahlen zur Altersentwicklung - doppelt so viele Senioren wie junge Leute im Jahr 2050 - nicht einfach fortschreiben, um die Zahl der künftig Pflegebedürftigen zu ermitteln. Dass ihre Zahl aber weiter erheblich ansteigen wird, das ist sicher. Darauf sind wir noch nicht eingerichtet, das haben wir uns noch nicht genug bewusst gemacht.

Wir müssen uns auch bei den Alten- und Pflegeheimen und bei ihren Trägern darauf einstellen. Denn: Auch wenn das nur fünf Prozent betrifft, diese Heime leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Pflege und Betreuung alter Menschen. Ich habe Hochachtung vor all denen, die da ihr Bestes geben und die oft belastet werden bis an die Grenze der eigenen seelischen und körperlichen Möglichkeiten. Ich meine, sie brauchen mehr Anerkennung, mehr Unterstützung bei dieser schweren und aufopferungsvollen Arbeit. Sie brauchen das auch im Interesse der Pflegebedürftigen!

Diese Unterstützung lässt sich sehr konkret beschreiben: Im Mittelpunkt der Pflege stehen doch der einzelne Mensch und sein selbstverständliches Bedürfnis nach ganzheitlicher Betreuung und nach Zuwendung. Da stellt sich die Frage, ob man den Dienst der Pflegenden aus Abrechnungs- und Verwaltungsgründen so reglementieren und fraktionieren darf, wie das heute immer noch geschieht. Ich habe da starke Zweifel. Wir müssen uns wieder daran erinnern, was da gemeint ist. Gemeint ist, das Leben der Pflege­bedürftigen und der Pflegenden zu erleichtern und nicht: zu erleichtern das Leben der Pflege- und Kostenverwaltungen!

Nun will ich nicht verschweigen, und Sie werden es auch wissen: Es gibt unabhängig von diesen strukturellen Fragen leider gravierende Missstände in manchen Pflege­einrichtungen. Die Defizite reichen vom Mangel an Fachpersonal über untragbare hygienische Verhältnisse. Wir kennen auch einzelne Fälle der kriminellen Vernach­lässigung der Pflegebedürftigen. Da ist jeder Fall einer zuviel! Das ist menschenunwürdig, das ist unseres Landes unwürdig. Das muss aufgedeckt und abgestellt werden. Ich erwarte, dass alle, denen diese Verantwortung zukommt, ihre Pflicht tun.

Der Bundestag hat in den letzten Jahren eine Reihe von Gesetzen beschlossen, die die Qualität der ambulanten und stationären Pflege verbessern sollen. Mit ihnen verbindet sich die Hoffnung, dass künftig Pflegefehler und Missstände vermieden werden, dass die personelle Ausstattung der Heime verbessert werden kann. Diese Gesetze weisen in die richtige Richtung. Die Frage ist, ob wir sie mit Leben erfüllen können. Ich bin dankbar, wenn Sie dabei mithelfen.

Vor kurzem hat mir jemand gesagt, dass von denen, die die Ausbildung zum Altenpfleger oder zur Altenpflegerin abschließen, nach fünf Berufsjahren nur noch zwanzig Prozent da sind. Eine solche Quote von achtzig Prozent können wir uns nicht leisten. Das muss geändert werden durch attraktivere Berufsbilder.

Sie im Kuratorium, meine Damen und Herrn, widmen sich seit langem auch der Hilfe für Demenzkranke und ihre Angehörigen. Das ist - es lässt sich gar nicht formulieren - ein besonders schweres Schicksal, wenn Kranken langsam ihre Fähigkeiten entgleiten, ihre Erinnerungen, wenn man den Eindruck hat, die Persönlichkeit geht zu Ende.

"Erst fand meine Mutter nicht mehr die richtigen Wörter, dann verwechselte sie Namen und Gesichter, dann musste sie ihren Führerschein abgeben, schließlich verlief sie sich in unserem eigenen Straßenviertel, und am Ende musste ich sie füttern und war für sie eine Fremde."

So hat eine Tochter den langen Abschied von ihrer Mutter beschrieben. Meist ist dieser Abschied für beide Seiten herzzerreißend, denn auch der Kranke spürt ja, und sei es am Ende nur noch für Sekunden, welch schweren Weg er geht und wie schmerzlich das für die Angehörigen ist.

Es gibt Schätzungen, wonach heute fast eine Million Menschen in Deutschland an mittel­schweren und schweren Demenzerkrankungen leidet. Sowohl bei der Diagnose als auch bei ihrer Pflege und Betreuung gibt es nach dem Urteil von Fachleuten noch erhebliche Defizite. Die meisten Menschen - und übrigens auch so manche Hausärzte - wissen nicht genau, wie sich normale Altersschwächen von Demenzkrankheiten unterscheiden und welche Möglichkeiten der Vorbeugung es gibt. Wir brauchen darum viel mehr verantwortungsbewusste öffentliche Aufklärung über alle diese Themen.

Auch die Demenzkranken werden vor allem von Familienangehörigen gepflegt und betreut. Auch für diese Familienangehörigen gibt es noch zu wenige Informationsangebote über die Erkrankungen und über den Umgang mit den kranken Menschen und noch zu wenig Hilfe durch ambulante psychiatrische Pflegedienste. Den Preis zahlen zuallererst die Kranken und ihre Angehörigen. Mittelbar aber zahlen wir ihn alle, denn es zehrt an der Kraft des ganzen Landes, wenn Hunderttausende eine schwere Last allein tragen müssen.

IV.

Meine Damen und Herren, der beispiellose demographische Wandel und seine Heraus­forderungen werden unser Land tiefgreifend verändern. Ich glaube, dass wir die Kraft haben, diesen Wandel zu gestalten, statt ihn zu erleiden. Es geht um nicht weniger als darum, die Würde aller Menschen in unserem Land zu achten und zu schützen bis zuletzt. Das macht auch eine viel bessere schmerztherapeutische und palliativmedizinische Versorgung nötig, als wir sie bisher haben. Darum habe ich vor einigen Wochen in Aachen beim Deutschen Schmerzkongress darüber gesprochen.

Der Einsatz für alte und hilfsbedürftige Menschen ist aller Mühen wert. Wer dabei mithilft, der soll und wird erfahren, wie gut Hilfe auch dem Helfenden tut und wie wichtig Zusammengehörigkeit und gelebte Solidarität sind. Je besser uns diese Solidarität insgesamt gelingt, umso zuversichtlicher kann jeder Einzelne von uns seinem Alter entgegensehen.

V.

Am Anfang der Geschichte des Kuratoriums Deutsche Altershilfe stand eine Anzeigen­kampagne mit dem Motto "Das Alter darf nicht abseits stehen". Damals hat Heinrich Lübke, der von vielen viel zu wenig gewürdigt wird in der Bedeutung, die er für unser Land gehabt hat, diese Initiative für eine moderne Altenhilfe aufgegriffen und begonnen; seine Frau war die Ehren­präsidentin der Aktion, und darum hatte sie dann die Idee, das Kuratorium zu gründen. Noch heute trägt es als Wilhelmine-Lübke-Stiftung ihren Namen.

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe hat nie abseits gestanden - im Gegenteil! Viele Institutionen und Innovationen- wir haben es gehört - gehen auf Vorarbeiten des KDA und auf seine Expertise zurück. Sogar für das "Essen auf Rädern", so habe ich mir sagen lassen, hat das Kuratorium den entscheidenden Anstoß gegeben.

Natürlich sind diese Erfolge nur möglich gewesen, weil viele Menschen engagiert mitarbeiten und weil zusammengearbeitet wird. Und darum will ich Ihnen allen nochmals Dank sagen: Sie haben unser Land ein Stück menschlicher gemacht. Sorgen Sie bitte auch weiterhin mit dafür, dass Deutschland ein Land ist und bleibt, in dem man gut alt werden kann und in dem man auch gut alt sein kann und in dem man gern alt ist. Herzlichen Dank.