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Grußwort bei der Geburtstagsfeier für Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel

Lieber Bernhard Vogel,

meine Damen und Herren,

ohne Zögern bin ich gekommen - obwohl das Zögern nahegelegen hätte, denn der Bundespräsident ist verpflichtet, überparteilich zu sein. Da fragt er sich natürlich: Darf ich in den Saal gehen, in dem die SPD sich ihren Namen gegeben hat und ihr Programm? Aber ich denke, selbst im Erfurter Kaisersaal ist dem Bundespräsidenten der Besuch erlaubt, wenn die CDU einlädt. Hier fühle ich mich auf sicherem Parkett.

Vieles ist gesagt, vieles haben wir in Bildern gesehen. Mich hast Du übertroffen, was die Länge der Amtszeit angeht. Es war immer schon klar, dass Du der erste von uns beiden warst, der den Amtseid als Ministerpräsident geleistet hat. Aber durch die Vakanz zwischen Rheinland-Pfalz und Thüringen war ich dann eben doch an Jahren und Tagen der Dienstälteste. Das hat sich nun geändert.

Der Begriff Urgestein ist für Dich schon vergeben. Von Phänomen zu sprechen, wage ich nicht, aber ich rege doch an eine Kommission zu gründen, die das alles mal wissenschaftlich aufarbeitet. Denn, meine Damen und Herren, es geht nicht nur darum, dass er der einzige ist, der über zwanzig Jahre Ministerpräsident ist, und das in zwei Ländern. Sondern dies ist der einzige Fall, dass zwei Brüder gleichzeitig Mitglieder der Ministerpräsidentenkonferenz gewesen sind: Jochen Vogel als Regierender Bürgermeister von Berlin und Bernhard Vogel als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Wir waren damals fast eine Familien-AG, wenn man so will.

Bei Deinem fünfzigsten Geburtstag durfte ich in Mainz dabei sein. Ich begleitete damals den Kanzlerkandidaten der SPD, Jochen Vogel, meinen Freund. Beim fünfundsechzigsten durfte ich dabei sein, als wir auf der Wartburg gefeiert haben. Auch heute bin ich gern gekommen, weil uns bei aller politischen Unterschiedlichkeit der Positionen in diesen Jahren und Jahrzehnten verlässliche Zusammenarbeit und gute Freundschaft verbunden haben. Es lag nicht nur an der Nachbarschaft am Rhein, es lag nicht nur daran, dass wir beide unsere Bezugspunkte im christlichen Glauben haben und uns in kirchlichen Gremien engagiert haben - Du warst sogar mal Vorsitzender des Zentralkomitees, das bin ich nie geworden. Es lag auch daran, dass wir beide über die Bildungspolitik zur Politik gekommen sind und dass wir das Interesse an der Bildungspolitik und die Tatsache, dass wir gute, solide, bessere Bildungspolitik brauchen, nicht nur während unserer Amtszeiten als Kultus- oder Wissenschaftsminister bekundet, sondern in die übrigen Ämter mitgenommen haben.

Wir haben immer gut und fair zusammengearbeitet in der Ministerpräsidentenkonferenz und im Bundesrat, im Verwaltungsrat des ZDF, wo wir uns gegenseitig jeweils abgelöst haben. Das, finde ich, ist gerade in diesen Tagen ein wichtiges Zeichen: Dass Freundschaft nicht an Parteizäunen endet und dass Parteizäune nicht die eigentlichen Signale sind, die die Menschen von uns erwarten.

Ich habe Dir in meinem Geburtstagsbrief Näheres zu den einzelnen Stationen geschrieben und immer das Alter meiner Tochter hinzugefügt, die ja auch heute Geburtstag hat. Ich will Dir jetzt nur noch in Erinnerung rufen, was ich oft zitiert habe und was nicht nur eine Wanderlegende ist, sondern was Konrad Adenauer nachgesagt wird: Als ihm beim neunzigsten Geburtstag jemand sagte: "Ich wünsche Ihnen, dass Sie hundert Jahre alt werden", da soll er grimmig geantwortet haben: "Warum wollen Sie der Barmherzigkeit Gottes so enge Grenzen setzen?"

Also sage ich dem früher befreundeten Gegner und dem heute wichtigen Gesprächspartner von Herzen Glückwünsche. Dank für alles, was er getan hat in Rheinland-Pfalz und Thüringen und darüber hinaus, Ermutigung für die Etappen, die vor ihm liegen, viele gute und gesunde Jahre und der Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen.