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Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung des Landes Sachsen-Anhalt

Ich freue mich darüber, dass heute das Land Sachsen-Anhalt den Reigen der Länderausstellungen fortsetzt.

"Design aus Sachsen-Anhalt" - das macht neugierig: auf die Exponate selber und natürlich auch darauf, ob es vielleicht in Designfragen so etwas gibt wie eine typisch sachsen-anhaltinische oder sachsen-anhaltische Handschrift - wie man das sagt, werden Sie mir, Herr Ministerpräsident, sicher gleich erklären.

Von gutem Design versteht man eine Menge in Sachsen-Anhalt, und zwar seit etwa 3.600 Jahren, um genau zu sein. So alt ist nämlich die Himmelsscheibe von Nebra; und sie ist nicht nur alt, sondern auch gediegen ausgeführt und schön, und sie war für die Astronomie und zur Bestimmung von Saat- und Erntezeiten nach damaligem Maß­stab ausgesprochen funktional. Ästhetik des Materials und der Form, verbunden mit hoher Funktionalität - das sind die Schlüsselqualitäten guten Designs.

Haben Sie keine Sorge: Ich werde jetzt nicht alle Stationen der Designgeschichte vom Ziegelrodaer Forst - wo die Himmelsscheibe gefunden wurde - bis zum Bauhaus Dessau und zur Kunsthochschule Burg Giebichenstein abhandeln. Es soll der Hinweis genügen, dass in Sachsen-Anhalt auch in den gut dreieinhalb Jahrtausenden dazwischen viel Schönes und für die Menschen Nützliches erdacht und geschaffen worden ist. Das kann man von Salzwedel bis Naumburg und von Halberstadt bis Wittenberg auf Schritt und Tritt erleben - auf der Straße der Romanik, in der Altstadt von Quedlinburg, im Dessau-Wörlitzer Gartenreich und auch in Ammendorf, wo ja der Schienenfahrzeugbau seit mehr als 170 Jahren heimisch ist.

Ich habe mir gestern schon einmal die Liste der Exponate angesehen. Mir scheint, da ist eine glückliche Mischung von Kunst und Technik, von Dingen des täglichen Gebrauchs und von Entwürfen für die Welt von morgen gelungen. Als ich in der Liste den Teddybären aus Bad Kösen entdeckte - der in Wahrheit natürlich ein Brillenbär ist -, da habe ich gedacht: "Gut gewählt - gutes Design sollte man den Menschen schon in die Wiege legen." Es gibt Schmuck zu sehen - für den werden sich meine Töchter stärker interessieren als ich - und einige Skulpturen, die ebenso das Auge erfreuen.

Natürlich sind außerdem die Design-Klassiker aus Sachsen-Anhalt vertreten, zum Beispiel manches Bauhausobjekt. Es gibt Visionäres wie etwa das Dreirad von morgen - ein ausgesprochen windschnittiges Vehikel! - und die Ausstellung gewährt Einblicke ins Innenleben der Autos und der Maschinen von heute, die wir ja meist nur von außen sehen - gottlob; denn nach innen blickt man eigentlich immer nur, wenn Reparaturbedarf ist. Die Ausstellung zeigt: Auch in diesem technischen Innenleben kommt es auf gutes Design an, denn das erhöht die Funktionalität und senkt die Kosten.

Die meisten Menschen, meine Damen und Herren, kennen Sachsen-Anhalt vor allem als eines der Kernlande der deutschen Geschichte, als das Land Martin Luthers und der Reformation und als Schatztruhe architektonischer und geistesgeschichtlicher Kleinode. Dieses Bild ist richtig, aber unvollständig, wenn nicht Eindrücke hinzukommen, wie sie hier und heute geboten werden. Nur dann nämlich wird einem bewusst, wie viel Kreativität und Innovationskraft auch heute in Sachsen-Anhalt zuhause sind.

Burg Giebichenstein, die Hochschule Anhalt in Dessau und die Fachhochschule Magdeburg-Stendal haben sich zu Zentren der Ausbildung junger Designerinnen und Designer entwickelt. Die große Tradition des Bauhauses Dessau, das ich vor einigen Wochen besuchen durfte - und auch dort sind wieder kreative junge Leute tätig -, wird nicht museal gehütet oder gar als erdrückendes Vermächtnis empfunden, sondern sie ist Ansporn, den großen Vorbildern nachzueifern und dabei zugleich einen unverwechselbaren eigenen Stil zu entwickeln. Das steht nicht nur Sachsen-Anhalt gut zu Gesicht, sondern es sorgt auch bundesweit für frischen Wind, und davon kann es gar nicht genug geben.

Ein bekanntes Wanderzitat soll unter anderem von einem Chef des Patentamtes der USA stammen. Wanderzitate heißen so, weil sie mal diesem und mal jenem zugeschrieben werden. Er hieß Charles Duell und soll 1899 angesichts der vielen Patentanmeldungen gesagt haben: "Bald wird alles, was sich überhaupt erfinden lässt, erfunden sein. Dann gibt es nichts Neues mehr."

Selbst wenn seine Voraussage eines Tages wirklich einträfe: Dann bliebe immer noch die Riesenaufgabe, für all das Erfundene auch ein gutes Design zu finden. Das dauert gewiss gut und gerne 3.600 Jahre. Den Designern in Sachsen-Anhalt werden also die Herausforderungen nicht ausgehen - und die Ideen hoffentlich auch nicht! Ich begrüße Sie alle noch einmal ganz herzlich und freue mich, dass Sachsen-Anhalt bei uns zu Gast ist. Herr Ministerpräsident!