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Grußwort von Bundespräsident Johannes Rau beim Geburtstagsempfang für Berthold Beitz

Verehrter, lieber Berthold Beitz, verehrte Frau Dr. Beitz, meine Damen und Herren,

zwischen einer Begrüßung und einer Laudatio ein Grußwort zu sagen, ist gar nicht so leicht - vor allem dann nicht, wenn man Gefahr läuft, die Stimme zu verlieren, aber das ist einer der Anlässe, bei denen ich es mir nicht habe nehmen lassen zu kommen. Alle - bis hin zu meinem Hausarzt - wollten nicht, dass ich heute zu Ihnen komme. Ich sollte erst die Erkältung auskurieren, aber ich habe gesagt, das ist ein Tag, da darf ich nicht fehlen, denn da wird jemand gefeiert, der war vor 50 Jahren ein Ärgernis, ein Störenfried und ist heute ein Leuchtturm.

Man überlege sich diese Entwicklung: Wir, als Menschen, die damals die Nachricht erhielten, dass Alfried Krupp einen Branchenfremden, einen Ruhrgebietsfremden, zum Generalbevollmächtigten macht, haben Sie noch in Erinnerung als einen Menschen, der nicht mal weiß, was ein Bergassessor ist. Da kam jemand fremd auf die Villa Hügel. Da kam jemand, der sich nicht an Konventionen hielt, der aufräumte und der gleichzeitig gestaltete.

Ich habe das ein Stück weit miterleben dürfen, auch in der Amtszeit meines damaligen Vorgängers Heinz Kühn. Ich weiß noch, wie er 1967 als frisch gewählter Ministerpräsident vor der Frage stand, ob er eine Trauerrede auf Alfried Krupp halten sollte, hier in Villa Hügel. Er, der Emigrant Heinz Kühn, am Grabe Alfried Krupps, der aus Nürnberg befreit und freigestellt und freigesetzt worden war.

Damals waren Sie der Brückenbauer zwischen dem Hause Krupp und den Menschen dieses Landes. Damals waren Sie jemand, der ein Erbe verwaltete und wusste, dass es nicht darum geht, die Asche in der Urne zu halten, sondern die Flamme weiter brennen und leuchten zu lassen. Danach haben Sie auf vielen, vielen Feldern gehandelt und so die Dinge vorangebracht, und das gelegentlich störrisch, gelegentlich zum Ärgernis der Sie umgebenden Menschen.

Was ist dabei nicht alles entstanden, was ist dabei nicht alles zustande gekommen! Ohne Sie gäbe es die Ostdenkschrift nicht, gäbe es nicht die Ergänzung durch die katholischen Bischöfe. Sie waren der erste, der sich intensiv um den Osthandel bemühte. Damals standen Sie bei Adenauer noch unter dem Verdacht, Sie wären vielleicht nicht ganz nationalgetreu. Er hat das in einem Brief später korrigiert.

Sie waren auch der Mann, der die Brücken schlug nach Israel; und das hatte zu tun mit Entscheidungen, die Sie in Ihrem Leben getroffen haben, als Sie noch keine dreißig Jahre alt waren und Ihre Frau noch keine fünfundzwanzig. Da hatten Sie schon gezeigt, dass Mut, Zivilcourage und Anstand wichtiger sind als Karriere.

Dann kam Ihre Zeit bei der IDUNA und Ihr Wechsel zu Krupp, der jetzt auch schon fünfzig Jahre zurückliegt. Ich war mit Bischof Hengstbach der einzige, der bei Ihrer Goldenen Hochzeit zu Gast war. Damals durften wir Musik für Sie machen. Heute darf ich Ihnen einen Gruß sagen, und ich muss sagen, dieser Mann, der Störenfried, der zum Leuchtturm geworden ist, dieser Mann ist mit neunzig eine nationale Institution mit internationaler Bedeutung.

Deutschland hat Ihnen viel zu danken. Der Sport hat Ihnen viel zu danken. Die Wirtschaft hat Ihnen viel zu danken. Vor allem aber danke ich Ihnen dafür, dass für Sie die Menschen, die Beschäftigten, die Kruppianer, nie nur Kostenfaktoren waren, sondern immer auch Partner und Gesprächspartner, und dass in Ihrem Leben die Wirtschaft um des Menschen willen da war und nicht der Mensch um der Wirtschaft willen.

Glückauf auf viele gute und gesunde Jahre, lieber Berthold Beitz.