Navigation und Service

Grußwort von Bundespräsident Johannes Rau beim Empfang von Preisträgern des Schülerwettbewerbs der Bundeszentrale für politische Bildung

Herzlich willkommen im Schloss Bellevue und herzlichen Glückwunsch dazu, dass Sie beim Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung gewonnen haben!

Als Sie an dem Wettbewerb teilnahmen, konnten Sie nicht wissen, dass er Ihnen den heutigen Empfang eintragen würde. Er ist aber keine zusätzliche Prüfung, sondern er ist gemeint als Teil Ihrer Belohnung. Darum sollten wir die Ansprachen kurz halten und möglichst bald zum geselligen Teil übergehen.

Dennoch: Sie sollen nicht ganz ungelobt davonkommen, denn es ist eine tolle Leistung, als Sieger aus einem Wettbewerb hervorzugehen, an dem sich mehr als 2.300 Teams beteiligt haben. Da braucht man gute Ideen, viel beharrliche Arbeit und eine Mannschaft, in der alle mitziehen (und zwar in die gleiche Richtung). Sie haben all das bewiesen. Auch dazu kann ich nur meinen Glückwunsch sagen.

Wahrscheinlich wissen Sie als Schülerinnen und Schüler am besten, wie viel Ihre Lehrerinnen und Lehrer zu diesem Erfolg beigetragen haben. Oft ist es ja gerade denen zu verdanken, dass eine Klasse oder ein Kurs sich überhaupt am Schülerwettbewerb beteiligt. Also: Ein besonderes Dankeschön an die Lehrerinnen und Lehrer. Ich weiß, ein solcher Wettbewerb bringt viel Mehrarbeit und viel zusätzliches Engagement mit sich.

Inzwischen gibt es übrigens eine Fülle von Schülerwettbewerben für Schüler in Deutschland. Ich finde das gut. Diese Wettbewerbe haben ganz unterschiedliche Themen zum Gegenstand. Der Wettbewerb, an dem Sie teilgenommen haben, will vor allem junge Menschen zum Engagement in unserer Gesellschaft, zum aktiven Mitgestalten motivieren. Das ist ein besonders wichtiges Ziel, denn von solchem Engagement kann unser Land gar nicht genug haben.

Ich habe in den vergangenen Jahren viele Gespräche mit jungen Leuten geführt und dabei immer wieder zweierlei festgestellt:

  • Erstens: Viele Jugendliche wollen wissen, was in der Gesellschaft vor sich geht, und sie haben Lust, sich einzumischen und mitzugestalten. Sie wissen, dass es dabei auch um ihre eigene Zukunft geht. Sie brauchen allerdings gute Gelegenheiten zum Engagement und manchmal auch praktische Anleitung.
  • Und zweitens: Junge Leute sind heutzutage nicht so schnell bereit, sich dauerhaft oder gar lebenslang an Organisationen oder Parteien zu binden, wie das noch in meiner Jugend völlig selbstverständlich gewesen ist. Sie ziehen es vor, sich für befristete Zeit und für überschaubare Projekte zu engagieren und dafür nach den jeweils geeigneten Partnern zu suchen und nach den sich bietenden Möglichkeiten. Eine solche stärker zweckgebundene, auf kurz- und mittelfristig erreichbare Ziele bezogene Arbeit ist nicht schlechter, aber eben doch anders. Die politischen Parteien und alle anderen Organisationen sollten sich darauf noch besser einstellen; sie sollten noch mehr Gelegenheiten zu solch begrenztem Engagement anbieten und gleichzeitig deutlich machen, dass es ohne dauerhaftes Engagement keine lebendige und keine stabile Demokratie gibt.

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet in ihrem Schülerwettbewerb sehr unterschiedliche Themen und Projekte an. So können die Teilnehmer viel leichter ein Anliegen auswählen, das ihnen besonders wichtig ist. Wir werden gleich mehr darüber erfahren, was gerade Ihnen besonders wichtig gewesen ist.

Allen Projekten ist eines gemeinsam: Es geht um gesellschaftspolitische Themen und um gesellschaftliches Engagement; es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Das kann durch die Arbeit an historischen Themen genauso geschehen wie durch bürgerschaftliches Engagement, in kommunalen Projekten ebenso wie in der Beschäftigung mit aktuellen Themen der großen Politik.

Der Schülerwettbewerb lädt dazu ein, sich mit diesen Fragen vertraut zu machen und dabei zu üben, wie man sich kräftig in die eigenen Angelegenheiten einmischt. Wer das Angebot annimmt, der stellt fest, wie viel Spaß es machen kann, sich gemeinsam zu engagieren. Aber das wissen Sie ja längst.

Ehe ich jetzt noch mehr Dinge sage, die Sie schon wissen, schließe ich lieber. Ich wünsche Ihnen, dass Sie den heutigen Tag und den Besuch beim Bundespräsidenten in guter Erinnerung behalten und dass Sie eines Tages sagen: "Damals, der Schülerwettbewerb, das war für mich eine wichtige Erfahrung. Er hat mein politisches Interesse und meine Bereitschaft zum Engagement geweckt und gestärkt."

Noch einmal: Herzlich willkommen im Schloss Bellevue!