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Ansprache von Bundespräsident Richard von Weizsäcker bei der Eröffnungsveranstaltung der Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte

Wie bekennen wir uns zu Menschen mit Behinderungen? Wie leben wir zusammen?

Fredi Saal schreibt eine Biographie mit dem Titel "Warum sollte ich jemand anderes sein wollen?" An ihrem Schluss sagt er: "Ich jedenfalls fühle mich als Spastiker als eine Schöpfung Gottes." Wer diese Worte liest, wird sie nicht vergessen. Sie sind eine Herausforderung für jeden Menschen, ob mit oder ohne Behinderung.

Es ist normal, verschieden zu sein. Es gibt keine Norm für das Menschsein. Manche Menschen sind blind oder taub, andere haben Lernschwierigkeiten, eine geistige oder körperliche Behinderung - aber es gibt auch Menschen ohne Humor, ewige Pessimisten, unsoziale oder sogar gewalttätige Männer und Frauen.

Dass Behinderung nur als Verschiedenheit aufgefasst wird, das ist ein Ziel, um das es uns gehen muss. In der Wirklichkeit freilich ist Behinderung nach wie vor die Art von Verschiedenheit, die benachteiligt, ja die bestraft wird. Es ist eine schwere, aber notwendige, eine gemeinsame Aufgabe für uns alle, diese Benachteiligung zu überwinden.

Maßstäbe für Behinderung sind zufällig und fragwürdig. Noch immer gehen sie von den Forderungen unserer sogenannten Leistungsgesellschaft aus: vor allem von rationalen und motorischen Fähigkeiten, von der Leistungskraft im Produktionsprozess. Wäre soziales Verhalten der beispielgebende Maßstab, dann müssten wir den Menschen mit Down-Syndrom nacheifern. Gemessen an der Sensibilität, mit der Taubblinde durch die Haut wahrnehmen können, sind Sehende und Hörende behindert. Vielleicht würde ein Rollstuhlfahrer einen Professor, der nicht lachen und weinen kann, als in seinem Menschsein behindert einschätzen. Wir sollten Menschen mit einem definierten Handicap fragen, was sie unter "behindert" verstehen.

Jedenfalls darf man nicht allgemein von "Behinderten" sprechen, das würde ja den ganzen Menschen treffen. In Wahrheit sind doch nur Teilbereiche, einzelne Fähigkeiten eingeschränkt.

Jeder kann durch einen Verkehrsunfall, durch Herzinfarkt, durch überhöhten Zucker-, Alkohol- und Zigarettenkonsum, durch Stress, im Alter oder bei der Geburt eines Kindes im Lauf seines Lebens eine Behinderung erleiden. Gegen Behinderung kann sich niemand versichern. Etwa jeder Zehnte in Deutschland ist schwer- oder schwerstbehindert. Sie sind keine Randgruppe.

Behinderung ist eine schwere Last, die sich erleichtern lässt, wenn es uns gelingt zu lernen, wie wir uns auf Verschiedenheit einstellen können. Denn unsere Reaktion auf Behinderung bestimmt ganz wesentlich das subjektive Empfinden anderer mit. "Ich wusste gar nicht, dass ich so behindert bin", sagt mancher betroffen angesichts der Reaktion von Nichtbehinderten. Um die Lage von Menschen mit Behinderung zu erleichtern, müssen Nichtbehinderte ihre Wahrnehmung korrigieren.

Humanes Zusammenleben, Integration, braucht zuerst und vor allem Raum in den Köpfen und Herzen der Menschen. Man kann das nicht einfach delegieren an Architekten und Städteplaner, an Kindergärtner und Schulleiter. Bauherren können nur den Rahmen für das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung schaffen. Wie wir uns dann tatsächlich begegnen, das hängt allein davon ab, ob wir zum Beispiel den Rollstuhlfahrer nach der Uhrzeit fragen statt seinen Betreuer, oder ob wir den dreißigjährigen Spastiker mit "Sie" statt mit "Du" anreden, ob wir ihm den Weg erklären oder ob wir das nur seinem Begleiter gegenüber tun.

Weitestmögliche Einbeziehung in unser Leben sind wir Menschen mit allen Arten von Behinderungen und ihren Familien schuldig. Sie aber schulden uns für diese Selbstverständlichkeit weder besonderen Dank noch ständiges Wohlverhalten. Sie haben genauso wie Nichtbehinderte das Recht, Verzweiflung zu empfinden oder auch Enttäuschung und Ärger deutlich zu äußern. Integration ist erst erreicht, wenn wir Freude und Dankbarkeit, Kummer und Sorgen unabhängig davon ausdrücken können, ob wir oder die Gesprächspartner Menschen mit oder ohne Behinderung sind.

Kindergärten und Schulen, in denen nichtbehinderte und behinderte Kinder einen möglichst normalen Umgang miteinander lernen können, sind sehr wichtig. Aber es hilft zu wenig, wenn dann später Betriebe, obwohl viele es könnten, keine behinderten Mitarbeiter einstellen, sondern lieber die geringe Ausgleichsabgabe bezahlen.

Lassen Sie uns deshalb Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. Aber auch die Künstler, vor allem die, die mit Kino- und Fernsehfilmen, mit Plakaten und Konzerten viele Menschen erreichen. Da gibt es gute und schlechte Beispiele. Filmemacher sollten sich aufgefordert fühlen, nicht nur ab und zu einen Problemfilm über einzelne zu machen, die blind oder taub oder autistisch sind, sondern Menschen mit Behinderung, genauso wie Nichtbehinderte in alle Drehbücher und Filme aufzunehmen, so wie wir auch im Alltag zusammenleben wollen und sollen.

Etwa vier Prozent der Menschen mit schwerer oder schwerster Behinderung werden so geboren. 96 Prozent dagegen begegnen der Behinderung erst im Laufe des Lebens. Manche stellen heute das Lebensrecht von Kindern in Frage, die mit schwerem Handicap geboren werden. Manche machen Kosten-Nutzen-Rechnungen auf und diffamieren gar Eltern wegen ihrer Entscheidung, ein blindes, taubes oder geistig behindertes Kind zur Welt zu bringen. Das ist ein Verstoß gegen die Achtung vor der Würde des Menschen.

Es gibt noch immer eine bösartige, die Wirklichkeit verzerrende Stimmungsmache gegen eine kleine Gruppe schutzbedürftiger Mitmenschen. Auf deutschen Straßen sieht man viele Rollstühle. Zu viele? Wer so denkt, der muss für ein Tempolimit, für verkehrsberuhigte Wohngebiete, gegen hohen Alkohol- und Tabakkonsum kämpfen. Er muss Sicherheit am Arbeitsplatz und Umweltschutz fordern, damit nicht immer mehr Menschen in den Rollstuhl gezwungen werden. So kann man Behinderungen wirksam vorbeugen. Das ist sinnvoll und notwendig.

Wer aber publizistisch das Lebensrecht von Menschen mit angeborener Behinderung in Zweifel zieht, der verletzt die Würde des Menschen. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt haben den Schutz und die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ausdrücklich in ihre Landesverfassungen aufgenommen. Der Artikel 1 unseres Grundgesetzes mit dem verbrieften Schutz der Menschenwürde ist schutzfähig. Aber mit einem Satz in der Verfassung ist es nicht getan. Sondern jeder von uns muss selbst dazu beitragen, ihn durch Wachsamkeit, durch Zivilcourage und Solidarität zu verwirklichen.

Auch durch diese von den Betroffenen als existentielle Bedrohung empfundene Diskussion über das Lebensrecht ist die gewiss zwiespältige wissenschaftliche Früherkennung in negatives Licht geraten. Wenn die Gentechnik irgendwann vererbbaren Krankheiten entgegenzutreten vermag, Menschen die Sehkraft erhalten, ist das ein Fortschritt, den wir den Betroffenen nicht vorenthalten dürfen. Aber die pränatale Diagnostik wird unser Leben nicht einfacher machen, sondern schwieriger. Denn sie wird uns nur Fakten mitteilen, nicht mehr. Wer sie hören will, begibt sich in eine Entscheidungssituation, die moralisch und ethisch höchste Anforderungen stellt. Besitzen wir immer schon die notwendige Reife, uns denen entgegenzustellen, die diese Wissenschaft dazu missbrauchen, um Normvorstellungen zu entwickeln, Normvorstellungen, nach denen bestimmte körperliche oder geistige Beeinträchtigungen schlechthin als menschlich unzumutbar bezeichnet werden? Frida Kahlo, Helen Keller, Stephen Hawking und Thomas Quasthoff - sie und viele andere führen ein bewundernswert erfülltes Leben mit schweren und schwersten Behinderungen.

Es ist schrecklich, wenn ein Zeitgeist schon mit dem Beriff "post-human" spielt, wie in einer Hamburger Ausstellung geschehen. Es gefährdet die Integration von Menschen mit Behinderung. Es verführt immer mehr Männer und Frauen zu glauben, sie müssten anders aussehen, um jemand zu sein. Um ein von bestimmten Medien vermitteltes Idealkörperbild zu erreichen, unterziehen sie sich ungesunden Diäten, übertriebenem Sport, sogar kosmetischer Chirurgie. Das leistet indirekt der Intoleranz gegenüber Menschen mit Behinderung massiven Vorschub. Umgeben von Männern und Frauen, die in chirurgischen Manufakturen ein künstliches, einheitliches Körperbild anstreben, möchte ich nicht sein. Es darf nicht zu einer Stimmung in der Gesellschaft kommen, dass man sich auch noch auf eine Beeinträchtigung berufen darf, wenn man im Urlaub nahe mit Menschen mit Behinderung untergebracht wird, siehe das folgenschwere, Menschen auf Abwege führende Flensburger Urteil. Ich denke an Stefanie Seefelder, eine junge, schwer contergangeschädigte Frau, die uns allen nur tiefen Eindruck machen kann. Wieviel Reife hat diese selbstbewusste junge Bankkauffrau Altersgenossinnen voraus, die glauben, sie müssten ihre Nase korrigieren oder ihre Lippen vergrößern lassen? Oder an Britta Siegers, der als Kind nach einem Unfall beide Beine amputiert werden mussten, und die nun bei den Paralympics Medaillen erschwamm, die die Goldene Kamera erhielt und - trotz Leistungssport - mit 27 Jahren promoviert wurde. Ich habe sie gerade kennengelernt.

Wer will denn das Glück oder die Freude planen und normieren? Es gibt keine Koordinaten für Glück. Ein Mensch kann glücklich sein, auch wenn sein Leben ganz anders verläuft als von ihm oder von den Eltern geplant. Glück empfinden zu können, ist eine Fähigkeit, die Menschen mit und ohne Behinderung verbindet. Deshalb sollten wir uns davor hüten, dass der Begriff des Glücks seine Humanität verliert, indem er als Produkt äußerlicher Bedingungen, wie Geld, Jugend, Sonne und Freizeit, missverstanden wird. Männer und Frauen ohne Sehkraft oder im Rollstuhl haben die gleichen Wünsche und Empfindungen wie andere auch. Ich erinnere mich an Bilder von behinderten Künstlern über Freude und Freundschaft, über Hoffnung und Mut, über Verliebtsein und Liebe. An einen Wandteppich von Jane Francis Cameron, eine Frau mit Down-Syndrom, denke ich, auf dem eine vor Lebensfreude strahlende dicke Frau freigiebig, aber auch fragend, ungewiss und hoffend, ein großes Herz zu einem dünnen, bedürftigen Mann hinüberschickt, dessen Herz noch ganz klein und fest verankert ist. Menschen mit Behinderung können die gleiche Freude erleben und anderen die gleiche Freude bereiten.

Über ihre Gedanken und Empfindungen erfahren wir oft besonders viel aus den Bildern, die sie dann vielleicht in ihrer Freizeit malen. Zum Beispiel über ihre Freude, zu schenken: Michael Rahnfeld aus der Werkstatt in Stetten hat einmal die Drei Könige gemalt, mit zehn Geschenken, so viele, dass sie sie gar nicht tragen können. Das Bild erfüllt den Betrachter mit Freude und Dankbarkeit. Immer wieder malen sie Menschen, nicht aber Produkte, die wir schaffen, um sie wegzuwerfen.

Die Individualität behinderter Künstler zu erleben, ist ein weit über künstlerische Fähigkeiten hinausgehendes, verbindendes Erlebnis. Menschen mit Behinderungen müssen die Möglichkeit haben, sich schöpferisch auszudrücken. Gerade jemand, der zum Beispiel sprachliche Probleme hat, der braucht andere Wege, um seine Gefühle mitzuteilen. Einem Menschen die ihm gemäße Sprache vorzuenthalten, ist so grausam wie eine Isolationshaft. Die Würde des Menschen zu achten, heißt deshalb auch, die Kreativität von Menschen mit Behinderung so gut wie irgend möglich zu fördern. Beiderseitiger Austausch ist nötig.

Menschen, die Integration anstreben, verlieren die Angst vor eigener Behinderung und Abschiebung ins Abseits. Sie stellen auch fest, dass Menschen mit und ohne Behinderung oft die gleichen Ziele haben. Behindertenorganisationen sollten stärker ins politische Leben integriert werden, weil sie aus der konkreten Bedürfnislage von Betroffenen, also von Fachleuten, neue Wege suchen. Es geht nicht nur um Hilfe für Menschen mit Behinderung, sondern hier liegt ja auch eine Quelle für humane Reformen allgemein, die allen zugute kommen können. Die abwechslungsreiche und an kindlichen Bedürfnissen orientierte Didaktik von Sonderschulen befruchtet zum Beispiel andere Schultypen, die Grundschule vor allem, aber nicht nur sie.

Behindertengerecht ist menschengerecht. Das gilt für die Schule, für Straßenverkehr und Innenstädte, für Ökologie und Umweltschutz. Selbsthilfegruppen von Asthmakranken, Familien, deren Kinder unter Leukämie oder Pseudokrupp leiden, Allergiker - sie ziehen doch am gleichen Strang wie Bürgerinitiativen, die gegen Schadstoffe aus Chemie- und Industrieanlagen, gegen oberirdische Hochspannungsleitungen, für ökologische Landwirtschaft und für gesunde Ernährung kämpfen. Die Initiativen für beruhigte Wohngebiete finden engagierte Mitstreiter bei Behindertenverbänden, damit Rollstuhlfahrer, Blinde und Spastiker sich ungefährdeter als bisher bewegen können, aber auch zur Vermeidung von Behinderungen. Größtmögliche Freiheit durch mobile Dienste etwa fordern sie gemeinsam mit alten Menschen, mit Kranken, mit der Aids-Hilfe. Anhänger der Bürgergesellschaft haben in Selbsthilfegruppen und Verbänden Gleichgesinnte, die diesen Gedanken praktisch umsetzen und das auf die allerglaubwürdigste Weise. Das Instrument eines Teilabkommens, einer teilweisen Übereinstimmung, nach dem in der "Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte" eine betroffene Kerngruppe allein entscheiden kann und der Verband diesen Entschluss toleriert und als gemeinsamen akzeptiert und vertritt, ist eine interessante dritte Variante demokratischen Zusammenlebens neben Mehrheits- und Konsensbeschluss.

Die Kreativität und Aktivität von Selbsthilfegruppen und -verbänden sollten wir allgemein fördern. Dies gilt zumal für die östlichen Bundesländer, in denen sie früher ja eher verboten waren. Die inzwischen gegründeten Selbsthilfegruppen informieren und koordinieren Hilfe, sie ermutigen und unterstützen die Eigeninitiative von Familienangehörigen. Das ist und bleibt wesentlich, denn das kämpferische Engagement, die Wärme und die Kompetenz von Betroffenen und ihren nahen Angehörigen sind durch keine Pflegeversicherung und nicht durch bezahlte Fachleute, durch Ärzte oder Pfleger zu ersetzen. Die von vielen Menschen mit Behinderung geforderte Abkehr von der "fürsorglichen Belagerung", von der stationären Versorgung hin zu einer an alltäglichen Bedürfnissen orientierten ambulanten Betreuung, die so viel individuelle Freiheit und Selbständigkeit wie möglich anbietet, wird nie ganz ohne die Hilfe von Familienangehörigen, Kollegen oder Nachbarn auskommen. Selbsthilfekontaktstellen sind für den Aufbau eines solchen Netzes notwendig. Die alten Bundesländer können hier durch Abordnung von Fachleuten wesentliche Hilfe leisten. In die Demokratiebewegung von 1989 haben auch Menschen mit Behinderung Hoffnungen gesetzt, sie dürfen nicht enttäuscht werden.

Beides müssen wir tun: Menschen mit Handicaps in ihrem Selbstbewusstsein, in ihren Teilnahme- und Mitsprachemöglichkeiten stärken - und gleichzeitig unser eigenes Interesse und Verantwortungsgefühl. Weshalb möchten heute zu wenige junge Menschen soziale Berufe ergreifen? Steht der Mensch nicht mehr im Mittelpunkt unseres Denkens? Der Betreuungsnotstand droht nicht nur durch den Ausfall vieler Zivildienstleistender, deren Einsatz großartig war und ist.

Wie groß die Entfremdung von Nichtbehinderten zu Menschen mit Behinderung derzeit noch ist, zeigt sich vielleicht am erschreckendsten bei Gewalttaten. Weshalb versagen wir unseren Schutz, weshalb versagen wir oft selbst, wenn Menschen mit Behinderung diskriminiert oder angegriffen werden? Es darf doch nicht dahin kommen, dass Menschen, die durch eine Behinderung ohnehin Nachteile haben, sich auch noch aus Angst verstecken müssen, abends nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen können! Stellen Sie sich vor, versetzen Sie sich hinein in die Hilflosigkeit und in die ausweglose Angst eines Blinden, eines Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung, der bedroht oder angegriffen wird!

Die Gewalt gegen behinderte Menschen ist verabscheuungswürdig und muss bestraft werden. Doch wirksam begegnen kann man ihr nur durch Integration und Aufklärung. Das fordert vor allem und zunächst von jedem einzelnen, sich selbst zu prüfen. Bei den Ausschreitungen gegen ausländische Mitbürger wurde erkennbar, dass Jugendliche manchmal nur das Denken der Erwachsenen radikalisieren und dann mit Gewalt vertreten. Solche Mitverantwortlichkeit vieler scheinbar Unbeteiligter für die Verbrechen einiger weniger klagt die Gesellschaft an. Behindertenfeindlichkeit ist nicht das Problem von Sozialarbeitern, von Gerichten und von Jugendgefängnissen, sondern wir alle, jeder einzelne kann bewusst oder unbewusst zu dem Klima beitragen, in dem sie um sich greifen oder überwunden werden kann.

Besondere Bedeutung hat dabei die Arbeit der Medien. Oft waren sie schon für Menschen mit Behinderung ein Schutzschild aus Wachsamkeit und Solidarität. Das darf sich keinesfalls vermindern oder verlieren. Wir können nur davor warnen, dass Menschen mit Behinderung nicht nur Opfer von Gewalt, sondern auch zu Opfern von Schlagzeilen und Sensationsberichten gemacht werden.

Worte und Bilder bestimmen unser Denken. Manchmal geben sie Hoffnung. Entscheidend ist, dass sie uns helfen zu lernen. Was wir zu lernen haben, ist so schwer und doch so einfach und klar: Es ist normal, verschieden zu sein.