Ordensverleihung "Engagement bildet"

Schwerpunktthema: Bericht

4. Dezember 2019

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 4. Dezember in Schloss Bellevue 13 Frauen und 11 Männer mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Unter dem Motto "Engagement bildet" würdigte er zum Tag des Ehrenamts ihren herausragenden Einsatz in unterschiedlichen Bereichen der Bildung. Die Geehrten kommen aus allen Bundesländern sowie aus den USA.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande an den Basketballer Dirk Nowitzki

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 4. Dezember in Schloss Bellevue 13 Frauen und 11 Männer mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Unter dem Motto Engagement bildet würdigte er zum Tag des Ehrenamts ihren herausragenden Einsatz in unterschiedlichen Bereichen der Bildung.

Die Geehrten kommen aus allen Bundesländern sowie aus den USA. Sie engagieren sich u.a. in der beruflichen Bildung, für Inklusion und Bildungsgerechtigkeit, in der digitalen Bildung oder für einen höheren Mädchen- und Frauenanteil in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern.

Folgende Bürgerinnen und Bürger wurden ausgezeichnet:

Baden-Württemberg

Ina-Maria Lienhart, Emmendingen
Verdienstkreuz am Bande

Bis zu zehn Prozent aller Schülerinnen und Schüler leiden an einer Legasthenie oder Dyskalkulie. Für diese Kinder, die es im Schulalltag oft besonders schwer haben und die häufig noch immer mit Vorurteilen konfrontiert werden, setzt sich Ina-Maria Lienhart ein. Die besonderen Fähigkeiten dieser Kinder sollen nicht aufgrund einer Lernstörung unerkannt bleiben. Aufgrund ihrer über 30-jährigen Fachkompetenz auf dem Gebiet der Lernstörungen ist Ina-Maria Lienhart bei Betroffenen und deren Eltern ebenso anerkannt und geschätzt wie in Schulen. Sie berät Eltern, Lehrer und Betroffene persönlich, hält Vorträge und Tagungen zum Thema und wirkt an gesetzlichen Regelungen für Legasthenie und Dyskalkulie im schulischen Bereich mit. Dank des Einsatzes von Ina-Maria Lienhart sind die Schul- und Berufswahl und damit der Lebenslauf von Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie leichter und qualifizierter geworden.

Bayern

Simon Köhl und Aeneas Rekkas, München
Verdienstmedaille

Welche Chancen die Digitalisierung im Bereich der Bildung eröffnet, zeigt das Projekt von Simon Köhl und Aeneas Rekkas: Als Schüler haben sie vor zehn Jahren den gemeinnützigen Verein Serlo Education gegründet und eine frei verfügbare, kostenlose und werbefreie Lernplattform mit Online-Materialien für das eigenständige Lernen entwickelt. Mit einfachen Erklärungen, Lernvideos, Übungen und Musterlösungen können Schülerinnen und Schüler nicht nur in ihrem eigenen Tempo lernen, sondern vor allem auch unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern Unterstützung beim Lernen erhalten. Aktuell nutzen fast eine Million Menschen die hochwertigen Beiträge der Lernplattform serlo.org, die nach dem Vorbild von Wikipedia von einer großen Gemeinschaft ehrenamtlicher Autorinnen und Autoren unterstützt wird. So leisten Simon Köhl und Aeneas Rekkas mit ihrem Projekt einen wichtigen Beitrag für gleichwertige Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit.

Berlin

Dr. Uwe Schneider, Berlin
Verdienstkreuz am Bande

Uwe Schneider ist Gründer des Vereins Das Schiff und ein engagierter Streiter für fachlich fundierte Vermittlung von Naturwissenschaften am außerschulischen Lernort. Auf einem Jugendforschungsschiff am Ufer des Tegeler Sees bietet er Berliner Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, sich durch aktives Erleben mit ökologischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Sie führen naturwissenschaftliche Experimente aus den Fachgebieten Biologie, Chemie und Physik durch, erlernen entsprechende Forschungsmethoden und die Dokumentation der Ergebnisse. Auch die Fortbildung von Lehrkräften ist fester Bestandteil der vielfältigen Angebote des Vereins. Uwe Schneider hat damit einen Lernort geschaffen, der den Unterricht in der Schule auf spannende Art ergänzt und neugierig auf Naturwissenschaft und Umweltschutz macht.

Brandenburg

Uwe Bartsch, Panketal
Verdienstkreuz am Bande

Die Zukunft ländlicher Räume hängt maßgeblich von den beruflichen Perspektiven junger Menschen ab. Uwe Bartsch weiß, wie entscheidend Ausbildung und Qualifizierung vor Ort sind, um Jugendarbeitslosigkeit und Abwanderung zu vermeiden. Seit über zwanzig Jahren organisiert und leitet er ehrenamtlich die Bernauer Ausbildungs- und Studienbörse, mit der er Schulabgängern in Ostbrandenburg ermöglicht, anspruchsvolle Berufe zu erlernen, ohne ihre Heimat verlassen zu müssen. Mit mehr als 100 Ausstellern, Firmen, Studieneinrichtungen und Ausbildungsbetrieben ist sie die wichtigste Berufsinformationsmesse in der Region. Uwe Bartsch eröffnet durch sein Engagement nicht nur Zukunftsperspektiven für junge Berufseinsteiger, sondern leistet zugleich einen entscheidenden Beitrag dafür, den Fachkräftemangel zu reduzieren und die ländliche Region Ostbrandenburgs für Unternehmen attraktiv zu machen. Auch als jahrelanger Präsident des Fußballsportvereins Bernau hat er junge Menschen vor Ort gefördert und gestärkt.

Bremen

Verena Nölle, Bremen
Verdienstkreuz am Bande

An vielen Grundschulen ist das sogenannte Elterntaxi ein Problem. Verena Nölle fördert mit ihrem Schulexpress die selbständige Bewältigung des Schulweges. Die Schulkinder treffen sich an Zu-Fuß-Geh-Haltestellen, um von dort gemeinsam zur Schule zu laufen. Sie erstellt mit Eltern und Lehrkräften einen Schulwegplan, der allen Kindern eine Haltestelle in unmittelbarer Nähe der Wohnung garantiert. Eine der Haltestellen liegt immer an einem Parkplatz, so dass auch Kinder, die mit dem Auto gebracht werden, das letzte Stück gemeinsam laufen können. Die Kinder bekommen damit die Möglichkeit, sich zu bewegen, munterer in der Schule anzukommen und sich bereits vor Unterrichtsbeginn mit Freunden auszutauschen. Zugleich wird die Selbstständigkeit der Kinder gefördert und die Verkehrssicherheit vor der Schule verbessert. Auch als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft aber sicher! engagiert sich Verena Nölle für die Sicherheit der kleinsten Verkehrsteilnehmer.

Anneli-Sofia Räcker, Bremen
Verdienstkreuz am Bande

KETAAKETI ist das nepalesische Wort für Kinder. Und es ist der Name des von Anneli-Sofia Räcker gegründeten Vereins, der sich in Nepal, Sierra Leone und Burundi für den Schulbesuch von Kindern engagiert. Als Vorsitzende unterstützt die Bremerin nicht nur die Grundschulbildung der ärmsten Kinder, sondern – genauso wichtig für den regelmäßigen Schulbesuch dieser Kinder – auch die Existenzsicherung der Eltern durch eine Mikrofinanzierung. Gemeinsam mit von ihr initiierten örtlichen Partnerorganisationen hat ihr Verein schon mehr als 10.000 Kindern der ärmsten Familien den Schulbesuch ermöglicht und damit eine Perspektive für eine bessere Zukunft gegeben. Dabei ist der von der UNESCO für seinen besonderen Nachhaltigkeitsansatz ausgezeichnete Verein vor Ort gerade deshalb besonders anerkannt, weil er nicht bevormundet, sondern die Menschen vor Ort stärkt, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Hamburg

Annegret Weber-Strobel, Hamburg
Verdienstkreuz am Bande

Als vor über zwanzig Jahren die Bücherhalle im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld geschlossen wurde, gründete Annegret Weber-Strobel einen Förderkreis und die BüBa, die Bücherei Bahrenfeld, auf dem Gelände der Grundschule Mendelssohnstraße. Die Kinderbücherei bietet Kindern bis zwölf Jahren eine Vielzahl von Medien zur Ausleihe, darunter ein großes Angebot an Bilderbüchern, deutsch-türkischen Büchern, CDs und DVDs. Außerdem finden in der Bücherei fast täglich unterschiedliche Angebote statt. Sie reichen vom Programm Gedichte für Wichte, das bereits die Allerjüngsten anspricht, bis zu zahlreichen Literaturprojekten und Sommerfesten für die Größeren, die schon selbst lesen können. Für die Klassen der Grundschule werden mehrmals im Jahr Autorenlesungen angeboten. Damit hat es Annegret Weber-Strobel geschafft, dass die BüBa eine feste Institution im Stadtteil geworden ist und sowohl von den Schülerinnen und Schülern als auch von den Eltern des zum Teil sozial schwachen Einzugsgebietes sehr geschätzt wird.

Hessen

Claus Kapelke, Darmstadt
Verdienstkreuz am Bande

Es ist Menschen wie Claus Kapelke zu verdanken, dass Bildung nicht mit dem Schulabschluss aufhört. Er ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Vereins Weiterbildung Hessen und betreut mehrere Projekte zur allgemeinen, beruflichen und politischen Bildung in Hessen. Ziel ist die Verbesserung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. So fördert die Initiative ProAbschluss ungelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in ihrem derzeitigen Tätigkeitsfeld einen Berufsabschluss erwerben möchten. Außerdem verfügt der Verein über ein mobiles Beratungsbüro, mit dem sich hessische Unternehmen eine kostenlose Weiterbildungsberatung direkt vor die Haustür holen können. Aber auch als ehrenamtlicher Gutachter für die berufliche Bildung und mit seinen Seminaren zu den Grundlagen des politischen Systems in der Bundesrepublik Deutschland hat Claus Kapelke einen maßgeblichen Beitrag für die Weiterbildung in Hessen geleistet.

Mecklenburg-Vorpommern

Prof. Dr. Günther Wildenhain, Rostock
Verdienstkreuz am Bande

Günther Wildenhain ist bis heute ein zentraler Akteur des Wissenschaftsstandorts Rostock. Er hat die Hochschule für Musik und Theater, die bei Studierenden weltweit beliebt ist, mitgegründet und fungiert bis heute als Juror bei der Vergabe des Jungius-Förderpreises für herausragende Promotionen. Außerdem ist er Mitglied im Verwaltungsausschuss der Förderer der Universität Rostock. Als Gründungsmitglied des Deutschen Hochschulverbandes Mecklenburg-Vorpommern und ehrenamtlicher Landesverbandsvorsitzender hat er wissenschaftliche Symposien und eine Vielzahl von politischen Gesprächen organisiert und die Verbandsmitglieder in allen wichtigen Fragen der Hochschulpolitik beraten. Günther Wildenhain gilt als bundesweit geachteter Vertreter der Universitäten in den ostdeutschen Bundesländern und ist seit der Wiedervereinigung das Gesicht der Hochschulpolitik in Mecklenburg-Vorpommern.

Niedersachsen

Wassila Ladhar, Hannover
Verdienstkreuz am Bande

Der Bildungserfolg von Kindern hängt auch davon ab, dass Eltern den Bildungsweg ihrer Kinder begleiten und aktiv mitgestalten. Was aber, wenn Eltern nicht wissen und verstehen, was in der Schule passiert? Dafür hat Wassila Ladhar das Elternbildungsprogramm RucksackSchule an einer Grundschule in Hannover für die Klassenstufen 1 und 2 aufgebaut. In wöchentlichen Treffen erfuhren die Eltern, wie sie ihre Kinder besser fördern können und welche kulturellen Angebote und Aktivitäten es vor Ort für ihre Kinder gibt. Ergänzend hat Wassila Ladhar das Projekt Integration macht Schule für die Klassenstufen 3 und 4 ins Leben gerufen. Außerhalb der Schule geht sie im Rahmen des Projektes MigrantenElternNetzwerk Niedersachsen als Multiplikatorin aktiv auf Eltern mit Migrationshintergrund zu, um sie auf Veranstaltungen und Unterstützungsmöglichkeiten auf-merksam zu machen und so die Bildungschancen ihrer Kinder zu verbessern.

Nordrhein-Westfalen

Ralph Caspers, Köln
Verdienstkreuz am Bande

Wissenschaft ist langweilig, kompliziert und uncool? Nicht, wenn sie auf so charmante, verständliche und unterhaltsame Weise vermittelt wird - wie von Ralph Caspers. Als Moderator der Sendung mit der Maus, von Wissen macht Ah! oder Quarks erklärt er Jung und Alt die Welt - von kuriosen Alltagsfragen über Kultur und Politik bis zu komplizierten naturwissenschaftlichen und technischen Zusammenhängen. Mit seinen Sendungen macht er Kinder und Jugendliche nicht nur schlau, sondern vor allem neugierig auf unsere Welt und zeigt ganz nebenbei, dass Wissen und Lernen auch Spaß machen kann. Jenseits der Fernsehkameras ist der Moderator Ralph Caspers auch als Autor von Kinderbüchern und Elternratgebern tätig und engagiert sich u.a. als Botschafter der UN-Dekade für Biologische Vielfalt, des Projekts Kinder- und Jugendwahl U18 und des Deutschen Kinderhospizvereins oder als Pate der Kinder- und Jugendsportabteilung des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes.

Daniela Mittmann, Düsseldorf
Verdienstkreuz am Bande

Lesen ist eine zentrale Voraussetzung für Bildungserfolg, und immer noch hängt die Lesekompetenz in Deutschland stark von der sozialen Herkunft der Kinder ab. Um dem etwas entgegenzusetzen, ist Daniela Mittmann seit vielen Jahren Leselernhelferin für Schülerinnen und Schüler in Düsseldorf. Damit auch Kinder in Mönchengladbach von einer solchen Leseförderung profitieren können, stieß sie die Gründung des Vereins Mentor – Die Leselernhelfer Mönchengladbach an. In Einzelbetreuung werden Kinder für die Welt der Bücher begeistert und zum eigenständigen Lesen motiviert. Daniela Mittmann koordiniert die ehrenamtlichen Mentoren, wirbt auf Stadtfesten, in Vereinen und in der Presse für das Anliegen ihres Vereins und bietet Austauschtreffen und Beratungen mit Interessierten an. Außerdem unterstützt sie als Bildungspatin des Caritas-Freiwilligenzentrums Mönchengladbach eine Schülerin bei Fragen der Integration und Berufswahl, um ihr den Start ins Berufsleben zu erleichtern.

Gertrud Stöcker, Grevenbroich
Verdienstkreuz 1. Klasse

Gertrud Stöcker macht sich für die Aufwertung des Berufs der Pflegefachkraft stark – in Zeiten des demografisch bedingten Pflegenotstands ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Begonnen hat ihr Engagement vor mehr als dreißig Jahren im Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe, dessen Ehrenvorsitzende sie heute ist. Hier begleitete sie bundes- und europaweit Gesetzesnovellen des Krankenpflegegesetzes. Sie war Mitglied im beratenden Ausschuss für die Ausbildung in der Krankenpflege bei der Europäischen Kommission und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Bildungsrates für Pflegeberufe. Dieser befasst sich mit allen Aspekten der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Pflegeberufe in Theorie und Praxis. Seit vielen Jahrzehnten bringt sich Gertrud Stöcker als national und international führende Expertin in Fragen der Pflegebildung ein, zuletzt im Zusammenhang mit der Reform der Pflegeausbildung.

Rheinland-Pfalz

Dr. Sabine Hartel-Schenk, Mainz
Verdienstkreuz am Bande

Dass es in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern zu wenig Frauen gibt, wird regelmäßig beklagt. Sabine Hartel-Schenk tut etwas dagegen. Seit mehr als zwanzig Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich im Deutschen Akademikerinnenbund. Als langjährige Leiterin des Arbeitskreises Frauen in Naturwissenschaft und Technik informierte und ermutigte sie Schülerinnen, sich für eine technisch-naturwissenschaftliche Ausbildung oder ein Studium zu entscheiden, und unterstützte junge Frauen in Ausbildung, Studium und Beruf durch Beratung und Vernetzung. Seit vielen Jahren begleitet sie Studentinnen und Promovendinnen auch als Mentorin und berät diese bei der weiteren Planung ihrer Karriere. Frau Hartel-Schenk leistet mit ihrer Arbeit einen ganz entscheidenden Beitrag für eine bessere Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit für Frauen in der Wissenschaft.

Inge Henrich, Mainz
Verdienstkreuz am Bande

Die Praxis für Entwicklungspädagogik von Inge Henrich gilt als zentrales Förder- und Kompetenzzentrum in Rheinland-Pfalz für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Trisomie 21. Unter der Leitlinie Leben wie alle – mittendrin von Anfang an macht sie Vorschul- und Schulkinder sowie Jugendliche mit kognitiven Entwicklungsbesonderheiten fit für den Kindergartenalltag und den Schulbesuch. Junge Erwachsene unterstützt sie beim Übergang von der Schule zum Arbeitsmarkt, z.B. durch die Suche von Praktikumsplätzen in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Auch den Eltern der Kinder ist die Praxis von Inge Henrich zu einer wichtigen Begegnungsstätte und einem wertvollen Kompetenzzentrum geworden. Im Vorstand des Vereins gemeinsam leben – gemeinsam lernen Mainz setzt sie sich für ein gemeinsames Leben von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen ein und findet darüber hinaus noch Zeit, geflüchtete Familien beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen.

Saarland

Horst Bernard, Saarbrücken
Verdienstkreuz am Bande

Mit der Verfolgung durch das NS-Regime aufgewachsen, begann Horst Bernard seine vielfältige erinnerungspolitische Bildungsarbeit zu Zeiten, in denen Erinnerungskultur noch unerwünscht war. Er gehörte zu den ersten, die auf die Geschichte des Gestapo-Lagers Neue Bremm hingewiesen haben und den ehemaligen Insassen durch seine Veröffentlichungen eine Stimme gab. Bis heute steht er vor allem jungen Menschen in Gedenkstätten und Schulen als Zeitzeuge zur Verfügung und berichtet in eindrücklicher Weise von seiner Flucht und Verfolgung. Über viele Jahre begleitete Horst Bernard außerdem Fahrten des Evangelischen Jugendwerks Saarland in das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof. Dass er trotz seines hohen Alters bis heute die Workcamps des Landesjugendrings Saar auf dem Gelände des Gestapo-Lagers Neue Bremm unterstützt, zeigt, wie sehr ihm diese Bildungsarbeit am Herzen liegt.

Sachsen

Prof. Dr. Rainer Gebhardt, Chemnitz
Verdienstkreuz am Bande

Zwei plus zwei – nach Adam Ries sind das vier. Das weiß doch jedes Kind. So wird der berühmte Rechenmeister aus dem 16. Jahrhundert in einem Kindermagazin vorgestellt. Rainer Gebhardt weiß noch viel mehr. Er ist Gründer und Vorsitzender des Adam-Ries-Bundes und hat das von seinem Verein betriebene Museum in Annaberg-Buchholz zu einem kulturellen Bildungs- und Lernort gemacht. Das Museum beherbergt neben einer Dauerausstellung zu Leben und Wirken von Adam Ries eine umfangreiche Bibliothek mit kulturellen Schätzen wie die Ausgabe des ersten Rechenbuches von Adam Ries aus dem Jahr 1527. Der Adam-Ries-Bund organisiert darüber hinaus international beachtete Forschungskolloquien zur Mathematik der Frühen Neuzeit und ist Träger des jährlich stattfindenden länderübergreifenden euroregionalen Adam-Ries-Wettbewerbs für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 5.

Sachsen-Anhalt

Dr. Bettina Oelmann, Halberstadt
Verdienstkreuz am Bande

Bettina Oelmann leitete die Grundschule Miriam Lundner, die bis in die 1990er Jahre im Gebäude der ehemaligen Jüdischen Schule von Halberstadt untergebracht war. Vor diesem Hintergrund beschloss sie, die Erinnerung an die jüdische Geschichte der Stadt Halberstadt sowie an die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit im Schulprofil zu verankern, indem sie u.a. die Benennung der Grundschule nach dem jüngsten Kind der 1942 deportierten Familie des letzten jüdischen Direktors initiierte. Sie veranlasste, dass die Grundlagen des Judentums und die Geschichte der Juden von Halberstadt im Unterricht vermittelt und auch die Erinnerung an die Deportationen wach gehalten werden. Darüber hinaus organisiert Bettina Oelmann bis heute Begegnungen mit Nachkommen ehemaliger Halberstädter jüdischen Glaubens. Mit ihrem Engagement leistet sie in Halberstadt einen bedeutenden Beitrag gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit und für Verständigung und Toleranz.

Isabell Senff, Arnstein
Verdienstmedaille

Jüngste Betriebsratsvorsitzende aller Betriebsratsregionen der Deutschen Post, Mitglied der ehrenamtlichen Geschäftsführung des ver.di-Bundesjugendvorstandes, Mitglied im Präsidium des ver.di-Gewerkschaftsrates sowie Mitglied im DGB-Bundesausschuss - das sind nur einige Funktionen, die Isabell Senff in ihrem jungen Leben schon wahrgenommen hat. Besonders beeindruckend ist aber ihr Einsatz für die berufliche Bildung und für die demokratische Repräsentanz jüngerer Menschen in betrieblichen Strukturen. Isabell Senff wirkte bei der Durchführung von Projekten zur Sicherung der beruflichen Bildung in der Fläche sowie der Erhöhung der Ausbildungsqualität mit, war an der Erarbeitung von Vorschlägen zur Novellierung des Berufsbildungsgesetzes beteiligt und hat sich für die erstmalige Festlegung einer gesetzlichen Ausbildungsmindestvergütung eingesetzt. Auch in ihrer Freizeit engagiert sie sich für die Interessenvertretungen in betrieblichen Strukturen, indem sie ihre Erfahrungen weitergibt und den Nachwuchs fördert.

Schleswig-Holstein

Gloria Boateng, Halstenbek
Verdienstkreuz am Bande

Gloria Boateng weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig der Start in einem fremden Land für ein Kind ist. Um aktiv gegen Bildungsungerechtigkeit zu kämpfen und die Chancen von Kindern zu verbessern, die aufgrund ihrer familiären Verhältnisse oder ihrer Herkunft benachteiligt sind, hat sie den Verein SchlauFox gegründet. In zahlreichen Projekten unterstützt sie mit ihrem Verein Kinder individuell und auf vielen Ebenen. Dank der Hilfe von Ehrenamtlichen wird gemeinsam gelernt, gekocht, geredet und gelacht. So kümmern sich z.B. Mentoren gezielt um junge Geflüchtete, damit sie einen Schulabschluss schaffen, und Risikoschüler erhalten ein intensives zweijähriges Coaching auf dem Weg zum Schulabschluss. In der Plietschen Kinderküche wird mit Grundschülerinnen und -schülern gekocht, und bei den FoodNinjas können Jugendliche erste Erfahrungen im Catering sammeln.

Klaus Müller, Hasselberg
Verdienstkreuz am Bande

In varietate concordia – in Vielfalt geeint, das ist nicht nur das Motto der Europäischen Union, sondern auch der Grundgedanke der Europaschulen und damit von Klaus Müller. Er hat als damaliger Schulleiter eine der ersten Europaschulen in Schleswig-Holstein etabliert. Der europäische Gedanke wird dort im Schulalltag gelebt - durch Wissensvermittlung, Begegnung und Dialog mit Menschen anderer Länder und Kulturen. Das Engagement von Klaus Müller ging aber stets weit über seine Schule hinaus: Er initiierte den Verein der Europaschulen Schleswig-Holstein, dessen Vorsitzender er bis heute ist, und beteiligte sich an der Gründung des Bundesnetzwerks Europaschule. Mit seinem Verein fördert er Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler durch Fortbildungen, Planspiele oder Reisestipendien. Europa braucht Menschen wie Klaus Müller, der mit seiner Bildungsarbeit junge Menschen für die europäische Idee begeistert.

Thüringen

Christina Groß, Ranis
Verdienstkreuz am Bande

Christina Groß ist überzeugt: Alle Kinder sollen gemeinsam lernen. Bereits lange vor der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sie mit ihrem Kollegium die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf die Grundschule in Ranis gemeinsam besuchen können. Ihr Engagement hat im Wortsinne Schule gemacht, und so bringt sie ihre Erfahrungen auch in überregionalen Fortbildungen ein. Wie wichtig ihr das Gemeinsame ist, zeigt sie auch als Vorsitzende des Fördervereins Mittendrin in Ranis, der Begegnungen zwischen den Generationen und die schulische, berufliche und gesellschaftliche Integration von Menschen mit Handicap fördert. Um ehemaligen Schülerinnen und Schülern eine Ausbildungs- und Arbeitsstätte zu schaffen und zugleich das öffentliche Leben in dem kleinen Ort Ranis zu beleben, hat Christina Groß auch maßgeblich an der Gründung eines genossenschaftlichen Einkaufsmarktes mit dazugehörigem Lesecafé mitgewirkt.

USA

Dirk Nowitzki, Dallas
Verdienstkreuz am Bande

Schon früh in seiner Profikarriere war sich Dirk Nowitzki seiner privilegierten Situation bewusst und gründete die Dirk Nowitzki Foundation in den USA. Die Stiftung fördert bis heute vielfältige Projekte in den Bereichen Gesundheit und Bildung von Kindern. Nur wenige Jahre später gründete er die Dirk Nowitzki Stiftung in Deutschland und wirkt im Kuratorium der Stiftung aktiv mit. Unter dem Motto Start frei für Kinder sollen insbesondere Mädchen und Jungen, die unter benachteiligten sozialen und materiellen Bedingungen aufwachsen, in Deutschland und in aller Welt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und durch Sport- und Bildungsangebote gestärkt werden. Meine Stiftung soll dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche entdecken, was in ihnen steckt, und lernen, das Beste aus ihren Möglichkeiten zu machen. Im Sport und im Leben, so formuliert Dirk Nowitzki die Ziele seiner Stiftung. Darüber hinaus ist er im internationalen Mentoring-Programm Big Brothers Big Sisters engagiert und kämpft als Botschafter von UNICEF gegen Mangelernährung.